Sonntagsgruß 9.6.


BIBELTEXT aus dem Epheserbrief, Kapitel 2,17-22

Jesus Christus ist gekommen
und hat im Evangelium
Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart,
und Frieden denen, die nahe waren.
Denn durch ihn haben wir alle beide
in einem Geist den Zugang zum Vater.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge,
sondern Mitbürger der Heiligen
und Gottes Hausgenossen,

erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten,
da Jesus Christus der Eckstein ist,
auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst
zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.
Durch ihn werdet auch ihr miterbaut
zu einer Wohnung Gottes im Geist.



GEDANKEN

Friede denen in der Ferne und Frieden denen in der Nähe!

Der Verfasser des Epheserbriefes meint mit den Nahen die Juden. Das Volk, das sich von Gott auserwählt wusste. Als die Fernen galten die Heiden. Sie hatten keinen Zugang zum Tempel, sie hielten die jüdischen Gebote nicht und hatten damit aus jüdischer Sicht keinen Zugang zu Gott. Noch nicht! Denn die Hoffnung war schon in der Zeit des Alten Testamentes, dass am Ende das Heil, der Friede allen Völkern zuteilwird. Hier im Epheserbrief lesen wir – es ist schon soweit! In Christus ist das schon Wirklichkeit! Auch den Heiden, den Fernen gilt der Friede. Auch sie können Mitbewohner im Hause Gottes sein. Eine trennender Zaun ist gefallen! In der Kirche haben beide Platz.

Die Kirche war also der Ort, wo das Trennende zwischen Juden und Heiden fällt. Das ist schon bemerkenswert! Das könnte man fast vergessen über die vielen Zäune, ja Mauern, die Christen von Anfang an errichtet haben: Gegenüber den Juden zuallererst, gegenüber anderen christlichen Gruppierungen, gegenüber anderen Religionen.

Mauern, Grenzen sind bedauerlich und oft schrecklich. Aber auf der anderen Seite war und ist Abgrenzung auch notwendig: Dass man als Glaubensgemeinschaft klarmacht, wofür man steht und wo die Grenzen sind – wo man nicht mehr mitkann und was uns unaufgebbar wichtig ist. Als Glaubensgemeinschaft braucht man auch ein klares Profil, so wie ein Haus Mauern braucht.

Kritisch wird es nur, wenn wir die Fenster und Türen auch zumauern! Und kritisch wird es, wenn wir meinen, dieser Bau – unsere Evangelische oder Katholische oder sonstige Kirche, und nur sie allein, ist die Kirche Jesu Christi oder gar das Haus Gottes!

Die Kirche Jesu Christi ist mehr. Das Haus Gottes ist größer! Und es ist keine Organisation. Paul Tillich, ein evangelischer Theologe des 20. Jahrhunderts, spricht von einer „Geistgemeinschaft“. Und der Geist kennt keine Zäune und Grenzen, er weht bekanntlich wo er will.

Pfarrerin Anneliese Peterson

Zuletzt bearbeitet am: 07.06.24, 14:43
Geschrieben von: anpe