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Titel: Umfassende Darstellung des österreichischen Protestantismus von 1933/34 bis 1968
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 30.4.2024

„Politische Vergangenheiten“: Buchneuerscheinung des Historikers Leonhard Jungwirth

Wien (epdÖ) – Ein neues Buch des Theologen und Historikers Leonhard Jungwirth widmet sich den bislang unaufgearbeiteten Entpolitisierungs- und Politisierungsprozessen im österreichischen Protestantismus in den Jahren 1933/34 bis 1968. Laut Verlag handelt es sich mit dem 777 Seiten starken Werk um die erste umfassende Darstellung der österreichischen Protestantismusgeschichte dieser Zeit. Das Werk gliedert sich in drei Teile: von nationalsozialistischen Affinitäten des österreichischen Protestantismus über das neue Kirchenbewusstsein nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum innerkirchlichen Generationenkonflikt rund um das Jahr 1968.

„Die von mir aufgearbeitete und bearbeitete Zeitspanne, insbesondere die Jahre 1945 bis 1968, waren bisher kaum bzw. noch nie Thema breit angelegter kirchen-, politik- und theologiegeschichtlicher Untersuchungen“, sagt Jungwirth gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Es sei für ihn reizvoll gewesen, sich zum einen mit bislang unbearbeiteten Quellenbeständen zu befassen, „etwa den NS-Korrespondenzen evangelischer Pfarrer, den Unterlagen aus den diversen Entnazifizierungsverfahren oder mit den kirchenpolitischen Quellenbeständen der Nachkriegszeit“. Zum anderen seien die Auswirkungen kirchenpolitischer Entscheidungen und Programme, aber auch die Auswirkungen unterschiedlicher Formen der Vergangenheitsbewältigung auf die heutige Kirchenpolitik und ihre Konflikte „nicht von der Hand zu weisen“.
Von der evangelischen „Nazikirche“ über neues Bewusstsein bis ins prägende Jahr 1968

Teil I der Arbeit legt seinen Fokus auf die nationalsozialistischen Affinitäten des österreichischen Protestantismus. Aufgrund einschlägiger Selbstpräsentationen beim Anschluss 1938 verfestigte sich in der österreichischen Öffentlichkeit das „ständestaatliche“ Bild von der evangelischen „Nazikirche“. Unterschiedliche Faktoren führten sodann aber ab 1939/40 zum Einsetzen einer kirchenpolitischen Wende. Vor dem Hintergrund einer funktional interpretierten Zwei-Reiche-Lehre kam es zu einem zunehmenden Rückzug aus der „Welt“.

Teil II nimmt das neue Kirchenbewusstsein sowie das neue Österreichbewusstsein österreichischer Protestantinnen und Protestanten nach dem Zweiten Weltkrieg in den Blick. Die Kirchenleitung setzte der anhaltenden Säkularisierungsangst einen missionarischen und diakonischen Öffentlichkeitswillen entgegen, den sie einerseits mit einem betont überparteilichen kirchlichen Wächteramt verband und andererseits an einen religiösen Traditionalismus und Wertekonservativismus knüpfte. Durch Entnazifizierung und Flüchtlingshilfe konnte sich die evangelische „Nazikirche“ als einheitlich rehabilitationswillig präsentieren. Über ein spezifisch österreichisch-protestantisches Opfernarrativ passte sie sich außerdem in die österreichische Opferthese ein. Ende der 1960er Jahre kam es zu einem neuerlichen Politisierungsschub wie auch zu einer kirchenpolitischen und theologischen Polarisierung im österreichischen Protestantismus.

Teil III befasst sich mit dem innerkirchlichen Generationenkonflikt rund um das Jahr 1968. Dabei wird auch seine Bedeutung sowie seine katalysatorische Wirkung für die kirchenpolitischen Entwicklungsprozesse im österreichischen Protestantismus seit 1968 herausgestellt.
Persönliche Erkenntnisse des Autors

„Eine Lektüre des Buches würde ich vor allem kirchenpolitisch Aktiven und Interessierten empfehlen“, so Jungwirth zur Zielgruppe seines Buches. „Ich denke, dass mit meiner Forschungsarbeit auch aktuelle kirchenpolitische Fragestellungen, Frontstellungen und Herausforderungen nachvollziehbarer werden.“ Auch er selbst gewann durch die Arbeit an seinem Werk neue Erkenntnisse, etwa „wie stark sich die NS-Vergangenheit der Evangelischen Kirche bzw. ihre narrative Verarbeitung auf die Kirchenpolitikentwürfe der Jahre 1945 bis 1968 und auch weit darüber hinaus ausgewirkt hat“. Erst ab den 1970er und 1980er Jahren, in denen völlig neue Zukunftssorgen auftraten, „scheint sich diese Vergangenheitsverhaftung etwas gelockert zu haben“.

Leonhard Jungwirth studierte Evangelische Fachtheologie in Wien und Glasgow. Derzeit ist er Post-Doc-Assistent am Institut für Kirchengeschichte, Christliche Archäologie und Kirchliche Kunst der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. 2022 wurde er ins geistliche Amt ordiniert.

„Politische Vergangenheiten. Der österreichische Protestantismus in den Jahren 1933/34 bis 1968“

777 Seiten
130,00 € (D)
inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

ISBN: 978-3-525-50067-5
Erschienen in der Reihe „Arbeiten zur kirchlichen Zeitgeschichte“ bei Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
Verfasst am: 13.05.24, 08:25
Titel: Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien tagte in Rom
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 30.4.2024

Herrgesell: „Bin stets bereichert nach Hause gefahren“

Wien (epdÖ) – Im Rahmen der diesjährigen Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien (ELKI) vom 25. bis 28. April in Rom wurde das 75-jährigen Bestehen der ELKI begangen. Nach ihrer Tagung auf Sizilien im vergangenen Jahr kehrte die wichtige lutherische Versammlung nun nach Rom zurück. Auf dem Programm standen nicht nur interne strukturelle Themen, die Delegierten befassten sich auch mit Fragen, die für Ausbau und Stabilisierung der Arbeit in der italienischen Gesellschaft relevant sind. Darüber hinaus war die Tagung für die 15 lutherischen Gemeinden Italiens eine Gelegenheit, um ihre Geschichten seit ihrem Eintritt in die ELKI bis heute zu erzählen.

„Von besonderer Bedeutung sind auch die zahlreichen Grußworte gewesen, die von den in- und ausländischen in diesen Tagen anwesenden Gästen ausgesprochen wurden“, heißt es in einer abschließenden Presseaussendung. Als Vertreterin der Evangelischen Kirche Österreich war Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell nach Rom gereist. „Mit großem Interesse habe ich stets Ihre Projekte verfolgt“, sagte sie in ihrem Grußwort vor den Delegierten, „von Ihren Synoden bin ich stets bereichert nach Hause gefahren“. Als Geburtstagsgeschenk zum 75er überbrachte sie mit einer Sachertorte eine typische österreichische Spezialität.
Aktuelle Themen in Italien und Österreich

Herrgesell berichtete der ELKI-Synode, mit welchen Themen sich die Evangelische Kirche in Österreich gerade beschäftigt – wie etwa Digitalisierung, Klimawandel, Unterstützung von Ehrenamtlichen, Begleitung junger Eltern von der Taufe bis zum Schulbeginn und etliches mehr. Die Oberkirchenrätin informierte in Rom vor allem auch über den gesamtösterreichischen Zukunftsprozess „Aus dem Evangelium leben“, wo Pfarrgemeinden und Werke in zahlreichen „Erprobungsräumen“ neue Wege kirchlichen Lebens beschreiten.

„Alles in allem war es diesmal besonders spannend“, blickt Herrgesell für den Evangelischen Pressedienst auf die Synode in Rom zurück. Zum 75-jährigen Bestehen der ELKI habe es viele Blicke zurück und „zaghafte nach vorne“ gegeben. Die Gemeinden in Italien würden zahlenmäßig kleiner werden, „es gibt kaum junge Menschen, die sich in den Gemeinden aktiv betätigen“. So würden derzeit langfristige Überlegungen angestellt, „wie man damit umgehen kann“. Erfreulich sei, dass alle Pfarrstellen wieder besetzt seien.

Die ELKI ist Mitglied des Lutherischen Weltbundes, der weltweit mehr als 77 Millionen Gläubige vereinigt. Die Synode, die sich aus Vertretern der fünfzehn über ganz Italien verstreuten lutherischen Gemeinden zusammensetzt, ist die demokratische und partizipative Versammlung, die mit der Aufgabe betraut ist, die ELKI zu leiten. Die ELKI ist die älteste lutherische Präsenz in Italien. Sie wurde 1949 gegründet, um die im Land bestehenden lutherischen Gemeinden zu unterstützen, die aufgrund des Zweiten Weltkriegs mit zunehmenden materiellen Schwierigkeiten konfrontiert waren.
Verfasst am: 13.05.24, 08:24