Sonntagsgruß 12.5. - Predigtreihe Protest

Der Protest der Mütter gegen Krieg und Gewalt – 3 Beispiele

 

Argentinien:

Die „Madres de la Plaza de Mayo“ sind eine gewaltfreie Protest-bewegung von Müttern, deren Söhne und Töchter in der Zeit der Militärdiktatur (1976-1983) „verschwunden“ sind – entführt und vermutlich getötet, aber man hat nie etwas darüber erfahren. Sie haben damals begonnen, auf der Plaza de Mayo in Buenos Aires vor dem Präsidentenpalast zu demonstrieren. Zwar wurden die Demonstrationen verboten, aber die mutigen Mütter sind jeden Donnerstag langsam Arm in Arm immer wieder um den Platz herumgegangen. Weiße Kopftücher waren ihr Kennzeichen, und sie haben die Fotos und Namen ihrer verschwundenen Kinder mit sich getragen.

Die Madres sind eine der größten und aktivsten Menschen-rechtsorganisationen Argentiniens geworden. Seit dem Ende der Militärdiktatur fordern sie die Aufklärung der Verbrechen.

Sie sammeln Informationen über die Verschwundenen und machen mutmaßliche Täter und mögliche Zeugen und Zeuginnen ausfindig. Es ist zu zahlreichen Gerichtsurteilen gekommen. Immer noch nehmen die – zum Teil schon recht betagten – Mütter an Gerichtsverhandlungen teil: ein Kampf um nach-trägliche Gerechtigkeit für ihre Kinder und um das Gedenken an die Opfer der Gewalt.

 

Russland:

1989 wurden die „Komitees der Soldatenmütter" gegründet. Besonders während des ersten Tschetschenien-Krieges haben sie als starke kritische Stimme gegolten. Damals in den 1990er Jahren haben sich die Mütter zur Wehr gesetzt und ihre Söhne zurückgefordert.

Auch heute während der russischen Invasion in der Ukraine setzen sich Mütter an vielen Orten gegen die Mobilmachung ein. Sie sind massiven Repressalien ausgesetzt.


Israel:

„Soldatenmütter gegen Gewalt“ ist eine Aktion israelischer Mütter von Soldatinnen und Soldaten, die regelmäßig über die Grenze ins Westjordanland gehen und Medikamente, Kleidung und Lebensmittel in die von Israel besetzten Palästinenserdörfer bringen. Vor allem wollen sie die Botschaft hinüberbringen, dass es auch ein anderes Israel gibt als das der Siedler und Besatzer. Sie wenden sich entschieden gegen die Politik der Besatzung, der Unterdrückung und Vertreibung.

Seit langem gibt es Initiativen, in denen israelische und palästi-nensische Frauen sich gemeinsam für ein friedliches Zusammen-leben und für Friedensverhandlungen engagieren. Sie sind auch während des schrecklichen aktuellen Konfliktes in Kontakt ge-blieben. So schwierig das ist, so gilt doch, was eine der Aktivistinnen formuliert: „Eine Mutter, die sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgt, kann sich mit einer anderen Mutter austauschen.“                

Lektorin Claudia Mitscha-Eibl

Zuletzt bearbeitet am: 13.05.24, 12:51
Geschrieben von: anpe