Sonntagsgruß 28.6.
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28. Juni 2020 

3. Sonntag nach Trinitatis


 

Um Suchen und Finden geht es in den Texten zu diesem Sonntag, und um die Geduld und Barmherzigkeit Gottes. Wie Gott den Verlorenen nachgeht und bei den Anderen um Verständnis wirbt für seine nachsichtige Liebe, seine Schwäche für die Menschen.

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LESUNG aus dem Lukasevangelium Kapitel 15,1-7

Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er's findet? Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.
   

GEDANKEN

Manchmal denke ich, ich wäre lieber das eine Schaf. Sie wissen schon, dasjenige, das wegläuft. Ich meine – wenn schon ein Schaf, dann wenigstens ein aufmüpfiges, kein braves, angepasstes. Und: Wäre es nicht angenehmer, diejenige zu sein, die „gesucht“ wird, um die man sich kümmert, um die man sich Sorgen macht, als selbst-verantwortlich und selbständig und vielleicht noch für andere da zu sein?  Und wenn ich lese – im Himmel ist mehr Freude über einen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte – dann kommt mir der Gedanke: Warum sollte ich da zu den Gerechten gehören wollen?

Aber wenn ich es mir recht überlege – ich würde nicht anders leben wollen als ich es tue. Ich möchte nicht gemeiner sein, gieriger, eigennütziger…, ich würde nicht mehr Fehler machen wollen, mehr Dummheiten, mehr Irrwege gehen…, ich will nicht öfter Hilfe brauchen oder Vergebung …. als es ohnehin der Fall ist.

Die Eifersucht auf die Verlorenen ist kurzsichtig. Die Empörung über die, die unverdient etwas bekommen, was ich nicht bekomme, verfliegt, wenn ich mir vor Augen führe, was ich alles geschenkt bekommen habe und bekomme – unverdient. Und wenn ich Dinge tue, nur weil ich glaube es zu müssen, oder Dinge nicht tue, nur weil ich glaube, es nicht zu dürfen, dann sollte ich darüber nachdenken.

Wir sind keine Schafe. Wir sind Menschen: über weite Strecken   selbstbestimmt und frei, so aufmüpfig wie wir sein wollen und manchmal auf die eine oder andere Weise verloren. Und wir dürfen gewiss sein: Gott freut sich über uns! So oder so. Gott liebt uns – nicht deswegen, weil wir gut sind, und auch nicht deswegen, weil wir verloren sind. Gott liebt uns, weil wir seine Menschen sind. Darum leben wir, darum können wir lieben, darum können wir gut sein,  darum dürfen wir Fehler machen und schuldig werden, darum sind wir nicht verloren, wenn wir versagen, ja selbst wenn unser Leben nach menschlichen Maßstäben missglückt.

                                                                                                       (Pfarrerin Anneliese Peterson)

LIED zum Anhören: Vergiss nicht zu danken (EG 617)

link: Kirchenjahr-evangelisch 
Zuletzt bearbeitet am: 26.06.20, 11:45
Geschrieben von: anpe