Sonntagsgruß 24.1.

 

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24. Jänner 2021 – 3.Sonntag nach Epiphanias

Gottes heilendes Wort, sein Zuspruch und seine Zuwendung reichen über alle Grenzen hinaus und geleiten uns durch unser Leben. Manchmal erkenn- und fühlbar, manchmal im Verborgenen.


Blatt zum Ausdrucken und Feiern

Wochenspruch: „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lukas 13,29)

PREDIGTTEXT 

Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort.

Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann.

Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie.

Da erhoben sie ihre Stimme und weinten und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr.

Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

GEDANKEN

Das letzte Jahr bescherte uns unerwartete, teilweise drastische Veränderungen in unserem Leben. Gott hat uns von relativ überschaubaren Pfaden auf völliges Neuland geführt. So wie Rut, über die der heutige Predigttext berichtet. Von einem Tag auf den anderen geriet ihr Dasein aus den Fugen – und irgendwie ging es doch weiter. Rut war vermutlich keine sehr glaubensstarke Frau, aber sie nahm an, was ihr das Leben brachte. Es blieb ihr auch nichts anderes übrig. Sie musste zurückstecken um zu (über)leben. Sie hatte Kompromisse zu akzeptieren. Ist es bei uns denn anders? Haben wir denn eine Wahl? Wer glaubt, das Leben bis ins letzte Detail planen zu können, der hat spätestens jetzt erkannt, dass dies unmöglich ist. Oder gibt es noch immer Unbelehrbare unter uns, die meinen, alles steuern zu können? Selbst den scheinbar Mächtigsten dieser Welt gleitet ihr Schicksal aus der Hand – ob sie es akzeptieren wollen oder nicht.

Rut und uns verbindet, dass sie und wir von den Realitäten des Lebens eingeholt werden. Es gilt, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen. Manchmal gelingt es, manchmal nicht. Das ist Leben! Manchmal sind wir allein gefordert, ein anderes Mal in der Gemeinschaft.

Aber: „Wo Du hingehst…“, heißt es bei Rut, … ist Gott an Deiner Seite. Das bewahrt uns nicht vor dem Scheitern. Scheitern ist im „Lebens-Package“ inbegriffen. Hat uns denn irgendwer versprochen, dass das Leben leicht wird? Nein! Was Gott mit uns vorhat, verschließt sich unserem Denken. Das Leben ist kein Wunschkonzert und Gott kein durch Gebete oder gute Taten bestechlicher Wunscherfüller. Es kommt, wie es kommt. Er wird uns dorthin führen, wo er uns haben will und auch unser Gewissen wird immer wieder gefordert sein. Am Ende wird alles gut. So ist es auch Rut ergangen, da Gott nicht von ihrer Seite wich. Und auch wir können darauf vertrauen. Es wird alles gut! Ja, das ist uns versprochen! Und so wird es auch kommen!

Lektor Werner Pelz

Lied zum Anhören und Mitsingen: Vertraut den neuen Wegen (EG395)


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Zuletzt bearbeitet am: 22.01.21, 14:38
Geschrieben von: anpe
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