18. April
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18. April - Sonntag Misericoridas

Der 2. Sonntag nach Ostern trägt traditionell den Namen Misericordias Domini, das bedeutet „Barmherzigkeit Gottes“.

Als Diakoniesonntag lädt er dazu ein, uns über unseren Auftrag zum Dienst an den Mitmenschen Gedanken zu machen.

Wochenspruch: Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Joh 10,11a.27–28a)
 

PREDIGTTEXT: Hesekiel 34,1-6, 10-13, 15-16; 31

Da erreichte mich das Wort Gottes: Mensch, rede prophetisch über die Hirtinnen und Hirten Israels, rede prophetisch und sprich zu ihnen, denen die Herde anvertraut ist: So spricht Gott: Wehe den Hirtinnen und Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen Hirtinnen und Hirten nicht die Herde weiden?

Das Fett verzehrt ihr, in die Wolle kleidet ihr euch, die gemä-steten Tiere schlachtet ihr – aber die Herde weidet ihr nicht! Die Erschöpften stärkt ihr nicht, die Kranken heilt ihr nicht, die Gebrochenen stützt ihr nicht, die sich verirrt haben, bringt ihr nicht zurück, und die Verlorenen sucht ihr nicht. Mit Gewalt haltet ihr sie nieder und mit Härte. Meine Herde zerstreute sich, weil niemand da war, sie zu hüten. Sie wurde zum Fraß für alle Tiere des Feldes. Meine Herde irrt umher über alle Berge und alle hohen Hügel. Über das ganze Land ist meine Herde zerstreut – und niemand fragt nach ihr, niemand sucht sie.

So spricht Gott: Jetzt gehe ich gegen die Hirtinnen und Hirten vor! Ich fordere meine Herde aus ihrer Hand zurück, ich mache ihrem Hüten meiner Herde ein Ende. Die für die Herde verantwortlich sind, sollen sich nicht länger selbst weiden. Ich rette meine Herde aus ihrem Rachen, sie soll ihnen nicht länger zum Fraß werden.

Ja, so spricht Gott: Seht her, ich bin da und frage nach meiner Herde und gebe auf sie Acht. Wie jeder Hirte und jede Hirtin auf die eigene Herde Acht gibt, wenn sie bei den sich lagernden Tieren sind, so will ich auf meine Herde Acht geben: Ich berge sie von allen Orten, an die sie sich zerstreut hat am Tag der Wolken und der Dunkelheit. Ich führe sie aus den Völkern heraus und sammle sie ein aus den Ländern. Ich bringe sie in ihr Land. Ich weide sie auf den Bergen Israels, an den Wasserläufen und allen Wohnorten des Landes. Ich selbst werde meine Herde weiden, ich selbst werde sie sich lagern lassen – Spruch Gottes. Die Verlorenen werde ich suchen, die sich verirrt haben, werde ich zurückbringen, die Gebrochenen werde ich stützen, und die Schwachen werde ich stärken. Den Fetten und Starken aber werde ich Einhalt gebieten – ich werde sie weiden, wie es dem Recht entspricht.

Ihr seid meine Herde, Herde meiner Weide, Menschheit seid ihr, und ich bin Gott, für euch da.   

(Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache)
 

GEDANKEN

Der Prophet Hesekiel kritisiert die Könige, die Adeligen, die Priester seiner Zeit: das sind die Hirtinnen und Hirten, die sich selbst weiden. Diakonie, Dienst an den Menschen, die ihnen anvertraut sind: das würde Gott von jenen erwarten, die Verantwortung tragen.

Natürlich können wir diese Fragen auch an Politikerinnen und Politiker der heutigen Zeit, an Personen mit leiellschaft richten: Wie gehen sie mit den erschöpften Menschen um – die Frage drängttenden Ämtern in Kirche und Ges sich jetzt in der Zeit der Pandemie geradezu auf. Aber auch: wie gehen sie mit Krankheit, mit Gebrechlichkeit, mit Menschen in verschiedenen Notlagen um…? Solche kritischen Anfragen haben durchaus ihre Berechtigung.

Im zweiten Teil des Textes erfolgt jedoch ein Blickwechsel: Gott selber macht sich zum Hirten, der sich für die Herde verantwortlich weiß. Dann werden plötzlich alle zu Mitgliedern einer Herde, ohne Hierarchie, egal an welchem Ende der Gesellschaft sie stehen. Es klingt in der heutigen Zeit vielleicht nicht attraktiv, uns als Schafherde zu betrachten, das Bild stößt an Grenzen – aber es hat seinen Wert: Zur Herde gehören heißt, dass keiner über dem anderen steht: als Gleiche unter Gleichen – oder Verschiedene unter Verschiedenen, weil wir alle einander gleichen und voneinander verschieden sind.

So ist Diakonie ein Auftrag an uns alle: Alle sind wir auf andere angewiesen, manchmal weniger, manchmal mehr, manchmal wohl auch besonders intensiv. Wir alle haben Stärken und Fähigkeiten, wir können die Bedürfnisse anderer sensibel wahrnehmen, am Leben anderer teilhaben, für andere da sein. UND wir alle haben Schwächen und Bedürfnisse, wir dürfen uns auch fallen lassen in der eigenen Bedürftigkeit und Unterstützung durch andere in Anspruch nehmen.
Diakonie, die Sorge füreinander und für unsere Mitmenschen, wurzelt in der Zusage Gottes an uns: „Ich selbst werde meine Herde weiden. Die Verlorenen werde ich suchen, die Gebrochenen stützen, die Schwachen stärken. Ich bin Gott: ich bin für euch da.“

Lektorin Claudia Mitscha-Eibl
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Zuletzt bearbeitet am: 17.04.21, 13:23
Geschrieben von: anpe
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