Sonntagsgruß 31.1.

 

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31. Jänner 2021 – letzter Sonntag nach Epiphanias

Geschichten sind etwas Wunderbares. Sie ziehen uns hinein in ihre Wirklichkeit und öffnen Türen in Welten, von denen wir nicht ein-mal geträumt hätten... und auf einmal wissen wir mehr über Gott und die Welt.


Blatt zum Ausdrucken und Feiern

Wochenspruch: „Über dir wird GOTT aufstrahlen, Gottes Glanz wird über dir sichtbar.“ (Jes 60,2)

GEDANKEN über das religiöse Lesen und zu 2. Petr. 1, 16–21

Beim Lesen Gott treffen und sich selbst verstehen?
Ich glaube das ist im 2. Jahrhundert einem Menschen passiert, der die Geschichten von Jesus gehört hat. Er war so fasziniert, dass er den Ein-druck hatte, selbst direkt neben Jesus zu stehen. Es kam ihm vor, als wäre er selbst mit Jesus durch Israel gelaufen. Er erzählt davon in einem Brief, der heute als 2. Petrusbrief in unseren Bibeln steht:

„Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kund-getan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen. [Je-sus Christus] empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lie-ber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.“ (2. Petr. 1,16-18)

Wer diesen Brief geschrieben hat, stand sehr wahrscheinlich niemals selbst neben Jesus. Trotzdem schreibt er, er habe Jesus mit „eigenen Augen gesehen“, keine ausgedachten Geschichten, keine Fabeln. So deutlich stand ihm die Geschichte vor Augen.

Warum er so fasziniert davon war, merkt man in den nächsten Sätzen: Er schreibt weiter von einem Licht, von dem Tag der anbricht und fast schon poetisch von einem Morgenstern, der in unseren Herzen aufgeht. Das klingt für mich nach echter Hoffnung. Er hat in den alten Geschich-ten von Jesus Hoffnung gefunden. Konkreter verrät er es uns nicht. Was das genau für eine Hoffnung war; was das für ihn persönlich, in seinem Leben bedeutet... all das bleibt sein Geheimnis.

Aber was er noch erzählt, ist, dass das eine religiöse Erfahrung war: Er hört die Geschichten, es tut sich ihm eine Hoffnungsperspektive auf, ihm geht ein Licht auf – und er weiß, da war Gott dabei:

„Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift aus eigener Auslegung geschieht. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben vom Heiligen Geist haben Menschen in Gottes Auftrag gere-det.“ (2. Petr. 1, 20f.)

„Getrieben vom Heiligen Geist“... Er hört die Geschichten und es kommt ihm so vor als wäre er selbst dabei gewesen. Er lebt in der Ge-schichte. Da geht’s um ihn selbst.
In einem Text sich selbst besser verstehen? In einem Text Gott treffen?

Ich glaube, dass passiert auch heute. Nicht ständig. Aber doch dann, wenn uns beim Lesen ein Licht auf geht. Das passiert bei alten Texten, wie denen aus der Bibel, es passiert aber auch bei anderen Geschich-ten, oder bei einzelnen Sätzen. Das geht genauso gut bei einem Graffi-ti, an dem wir vorbeilaufen; bei einem Postkartenspruch oder bei einer Nachricht von einer lieben Freundin. Der Geist Gottes weht wo er will. Wenn die Worte uns berühren, ist uns der Himmel ein Stück näherge-kommen.

Lasst euch / lassen Sie sich überraschen, in welchen Worten euch und Ihnen der Geist Gottes entgegenweht!

Vikarin Lydia Lauxmann

Lied zum Anhören und Mitsingen: Der Himmel geht über allen auf


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Zuletzt bearbeitet am: 28.01.21, 20:06
Geschrieben von: anpe
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