Sonntagsgruß 2.10. Erntedank
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BIBELTEXT aus dem 5. Buch Mose, Kap 8, Verse 7-18 i.A.

Mose sprach zum Volk: Dein Gott führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Quellen sind und Wasser in der Tiefe, die aus den Bergen und in den Auen fließen, ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt, ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust.

Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du deinen Gott loben für das gute Land, das er dir gegeben hat. So hüte dich nun davor, deinen Gott zu vergessen, sodass du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst.

Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst […] und alles, was du hast, sich mehrt, dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du deinen Gott vergisst, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft, und dich geleitet hat durch die große und furchtbare Wüste […] Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen. Sondern gedenke an deinen Gott; denn er ist's, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen, auf dass er hielte seinen Bund, den er deinen Vätern geschworen hat, so wie es heute ist.


GEDANKEN

Dankbarkeit ist für mich etwas zutiefst Religiöses. Wenn ich dankbar bin – für mein Leben, meinen Wohlstand, für meine Gaben, für mein Glück – dann weiß ich, dass ich nicht aus mir selber komme. Dann werde ich – demütig – im besten Sinne des Wortes.

Dankbare Menschen sind, meiner Erfahrung nach, glücklicher. Und umgänglicher! Dankbarkeit wirkt der Hab-sucht entgegen, die nicht genug kriegt. Und der Angst, dass man zu kurz kommt. Und dem Neid auf alle, denen es besser geht. Lauter Dinge, die dem Miteinander massiv schaden. Lauter Dinge, die sich in Krisenzeiten schnell verstärken. Not lehrt nicht nur beten.

In der Krise des Volkes Israel, zu dem Mose spricht, war das nicht anders. In den Zeiten, in denen sie durch die Wüste mussten, wo sie Hunger hatten und Durst und kein Ende in Sicht war. Aber Mose ließ sie Gott nicht vergessen: Gottes Versprechen, sie in ein gutes Land zu führen, und Gottes Regeln für ein gutes Miteinander.

Und nun prägt Mose ihnen ein, Gott auch dann nicht zu vergessen, wenn sie in diesem Land sind und es ihnen gut geht. Sondern Gott zu danken! Und Gottes Gebote und Rechte zu halten. Gottes Recht ... das ist nicht das Recht der Leistungsstarken auf Wohlstand, das ist nicht das Recht der Reichen auf Glück, sondern das Recht, das jedem Menschen Segen verheißt. Das sollen sie nicht aus dem Blick verlieren.

„So achte darauf, dass du deinen Gott nicht vergisst!“ sagt Mose zu seinem Volk.

Ich wünsche mir und uns allen so einen Mose unter all den Stimmen in unserem Inneren:  Eine Stimme, die uns Vertrauen zuspricht in der Krise, und uns hilft, gut miteinander umzugehen. Eine Stimme, die uns erinnert, dankbar zu sein im Glück, und die uns unsere Mitmenschen nicht vergessen lässt.

Pfarrerin Anneliese Peterson

Zuletzt bearbeitet am: 01.10.22, 10:54
Geschrieben von: anpe
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