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Titel: Katholische Kirche verzeichnet Rekord bei Austritten
Autor: MB
Quelle: www.kurier.at vom 11.1.2023

90.808 Personen verließen Glaubensgemeinschaft. Bekenntnislose in Österreich zweitgrößte Gruppe.

Die Zahl der Kirchenaustritte in Österreich ist auf einem neuen Rekordhoch: 90.808 Personen haben 2022 die katholische Kirche verlassen, besagt die am Mittwoch veröffentlichte Kirchenstatistik. Damit haben im vergangenen Jahr mehr Menschen die Kirche verlassen als 2010 mit 85.960.

Einen einzelnen ausschlaggebenden Grund für die vielen Austritte scheint es nicht zu geben. Die Zahl der Katholiken schrumpfte gegenüber dem Vorjahr von 4,83 Mio. auf 4,73 Mio. (1,96 Prozent).

Abwanderung von der katholischen Kirche setzt sich fort

Bereits im vergangenen Jahr war die Zahl der Kirchenaustritte mit 72.222 relativ hoch und stellte damals den zweithöchsten Wert hinter jenem im Jahr 2010 dar, als viele Menschen nach dem Bekanntwerden von Missbrauchsfällen der Kirche den Rücken gekehrt hatten. "Für die aktuell hohen Austrittszahlen dürfte bei vielen Menschen eine Distanz zur Kirche ausschlaggebend sein, die durch die Pandemie in den vergangenen Jahren größer geworden ist", analysierte Kathpress die aktuelle Entwicklung.

Laut Angaben aus den Diözesen sei dieser Trend im letzten Jahr durch die angespannte wirtschaftliche Gesamtlage noch verstärkt worden. Dies, obwohl die Diözesen etwa wegen der Coronapandemie den Menschen bei der Einziehung des Kirchenbeitrages entgegengekommen waren. Ärger unter manchen Mitgliedern gab es in den vergangenen Jahren auch über die von der Kirche gesetzten Coronamaßnahmen, die aber nicht strenger waren als in anderen Bereichen.

Auch die Mitgliederanzahl in der evangelischen Kirche sinkt. Geschuldet ist dies der Säkularisierung, die vor allem in Europa ein allgemeines Phänomen darstellt. Allerdings gibt es auch Religionsgemeinschaften, die – vor allem durch Zuzug – ständig wachsen, allen voran die Muslime und Orthodoxen. Die zweitgrößte Gruppe stellen in Österreich im Vergleich zur Gesamtbevölkerung die Bekenntnislosen dar.

Schwierige Datenlage bei Religionszugehörigkeit

Zahlen zur Größe der Religionsgemeinschaften sind immer schwerer zu erheben. Wurde bis 2001 das Bekenntnis noch bei der Volkszählung erhoben, fiel dieses Merkmal im Rahmen des Zensus danach weg. 2021 führte Statistik Austria im Auftrag des Bundeskanzleramts eine freiwillige Erhebung über "Religionszugehörigkeit der Bevölkerung in Privathaushalten" durch. Zusätzlich werden noch die Zahl der Austritte sowie der Aufnahmen bzw. Wiederaufnahmen unter den kirchenbeitragspflichtigen Religionsgemeinschaften in Österreich (römisch-katholisch, evangelisch A.B. und H.B., Altkatholiken) dokumentiert.

Wie die Bischofskonferenz am Mittwoch veröffentlichte, gab es im Jahr 2021 - es handelt sich um bereinigte Zahlen - 4,83 Mio. Katholiken. Bei einer Gesamtbevölkerung von 8,94 Mio. in diesem Jahr entspricht das 54 Prozent. Dem gegenüber stehen rund 2 Mio. Menschen ohne Bekenntnis, was 22,4 Prozent entspricht. Zum Vergleich: 1971 waren noch 87,4 Prozent römisch-katholisch und 4,3 Prozent bekenntnislos. Die Ursachen sind vielfältig. Vor allem nach diversen Missbrauchsaffären verlor die Kirche massenweise Mitglieder, aber auch der wachsende Wohlstand nach dem Zweiten Weltkrieg trieb die Säkularisierung unter anderem an.

Erfassung von Muslimen schwierig in Österreich

Auch immer weniger Protestanten gibt es in Österreich. 2021 gab es 340.000 Evangelische (3,8 Prozent) - sowohl Lutheraner als auch Reformierte - in Österreich. 50 Jahre davor waren es noch 447.100 was damals sechs Prozent der Gesamtbevölkerung entsprach. Von den Orthodoxen Kirchen weiß man über die Entwicklung nicht besonders viel, fehlen bis zur Jahrtausendwende doch valide Vergleichswerte. Seit 2001 wuchsen die Gemeinschaften doch von rund 180.000 auf rund 437.000 im Jahr 2021 bzw. von 2,2 auf 4,9 Prozent. Um fast zwei Drittel geschrumpft sind in diesem Zeitraum die Altkatholiken, die nun 0,1 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Schwierig ist auch die Erfassung der Muslime in Österreich, die ja keine "Kirche" darstellen, sondern die nur zum Teil über Moscheenvereine in der Islamischen Glaubensgemeinschaft erfasst sind, deren genaue Zahl kann aber aktuell nur geschätzt werden. Laut der Erhebung 2021 gab es 745.600 in Österreich, was 8,3 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. 1971 waren es lediglich 22.300. Die Zahl der Juden und Jüdinnen schrumpft hingegen, was auch auf Todesfälle zurückzuführen ist: von 8.100 im Jahr 2001 auf 5.400 (0,1 Prozent der Bevölkerung).
Verfasst am: 16.01.23, 12:12
Titel: Kirchen begehen am 17. Jänner den „Tag des Judentums“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 11.1.2023

Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Wiener methodistischer Kirche

Wien (epdÖ) – Am 17. Jänner feiern die Kirchen in Österreich den „Tag des Judentums“. Damit wollen die Kirchen verdeutlichen, dass das Christentum von seinem Selbstverständnis her, von seinen Wurzeln und seiner Weggemeinschaft wesentlich mit dem Judentum verbunden ist. Zugleich soll auch das Unrecht an jüdischen Menschen und ihrem Glauben in der Geschichte thematisiert werden.

Die Initiative zum „Tag des Judentums“ geht auf die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz zurück. Eingeführt hat ihn der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) im Jahr 2000. Der 17. Jänner wurde bewusst gewählt: Damit sollen die Kirchen den Geist dieses Tages in die anschließende weltweite „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ (18. bis 25. Jänner) weiter tragen; denn bei allen Trennungen der Christenheit untereinander sei allen Kirchen gemeinsam, dass sie im Judentum verwurzelt sind, betonen die Veranstalter.

Der „Tag des Judentums“ wird in ganz Österreich mit verschiedenen Veranstaltungen und Gottesdiensten begangen. Der zentrale Gottesdienst des ÖRKÖ zum „Tag des Judentums“ findet am Dienstag, 17. Jänner, um 18 Uhr in der Evangelisch-methodistischen Kirche im 15. Wiener Gemeindebezirk (Sechshauserstr. 56) statt. Den Gottesdienst wird u.a. der methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs gestalten. Mit dabei ist u.a. auch der Präsident der Koordinierungsausschusses für Christlich-jüdische Zusammenarbeit Martin Jäggle. Die Predigt hält der rumänisch-orthodoxe Theologe und Pfarrer Ioan Moga. Der Gottesdienst steht unter dem Motto: „Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht“, welches dem biblischen Psalm 30 entnommen ist.

Lernen, gedenken, feiern
2019 führte der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit gemeinsam mit Partnern eine Dreiteilung des „Tages des Judentums“ ein: auf einen „Tag des Lernens“, einen „Tag des Gedenkens“ und einen „Tag des Feierns“ (am eigentlichen „Tag des Judentums“, 17. Jänner).

Zunächst findet am Donnerstag, 12. Jänner, der „Tag des Lernens“ statt. Das Thema lautet: „Ausgangspunkt: Judentum des zweiten Tempels“. Die Veranstaltung im Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (Seitenstettengasse 4) findet auch im Gedenken an den großen jüdischen Theologen Pinchas Lapide statt, der im vergangenen Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Der „Tag des Gedenkens“ am Montag, 16. Jänner, ist in diesem Jahr den Auschwitz-Deportationen vom Wiener Nordbahnhof ab 1943 gewidmet. Die Wiener Historikerinnen Martha Keil und Michaela Raggam-Blesch bereiten den historischen Hintergrund auf. Zum Thema „Geschwisterlichkeit statt Judenfeindschaft“ wird Martin Jäggle sprechen. Eröffnen und abschließen wird die Veranstaltung Elisabeth Lutter von der „Vernetzten Ökumene Wien“, die den „Tag des Gedenkens“ gemeinsam mit dem Koordinierungsausschuss veranstaltet. Die Veranstaltung in der Bezirksvorstehung Wien Leopoldstadt (Karmelitergasse 9/2. Stock) beginnt um 19 Uhr.

Am „Tag des Feierns“ (17. Jänner) findet schließlich der ökumenische Gottesdienst des ÖRKÖ statt.

Veranstaltungen in den Bundesländern
In Graz findet am 17. Jänner um 19 Uhr in der Evangelischen Heilandskirche (Kaiser-Josef-Platz 9) ein ökumenischer Gottesdienst zum „Tag des Judentums“ statt. Der Gottesdienst steht unter dem biblischen Thema „Meinen Bogen stelle ich in die Wolken“. Die Predigt hält die methodistische Pastorin Esther Handschin.

Die Katholisch-Theologische Fakultät Salzburg lädt am 17. Jänner zu einem Studiennachmittag zum Thema „Der jüdische Jesus“ (Universitätsplatz 1, HS 101). Es referieren ab 15 Uhr der deutsche Experte für Neues Testament und antikes Judentum Lutz Doering und seine US-amerikanische Kollegin Amy-Jill Levine sowie die Salzburger evangelische Theologin Susanne Lechner-Masser.

In Innsbruck referiert Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, am 17. Jänner im Haus der Begegnung (Rennweg 12) ab 18.30 zum Thema „Jüdische Diaspora – Jüdische Museen“. Zu diesem Vortrag laden auch Superintendent Olivier Dantine sowie der katholische Bischof Hermann Glettler in besonderer Weise ein.

In der Wiener Pfarrkirche St. Erhard (1230 Wien) findet schließlich zum „Tag des Judentums“ ein Konzert mit der Salzburger Sängerin Simone Pergmann und „The Jewish Art Trio“ statt (17. Jänner, 19.30 Uhr, Endresstraße 117, 1230 Wien).

Ein Überblick über alle Gottesdienste und Veranstaltungen findet sich auf der Website des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit unter: tagdesjudentums.christenundjuden.org
Verfasst am: 16.01.23, 12:08