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Titel: Zwölf persönliche Gründe, in der Kirche zu sein
Autor: MB
Quelle: https://www.evangelisch.de vom 5.2.2024

"Wir wollen unsere Mitglieder mit guten Argumenten ausrüsten", sagen Menschen im evangelischen Kirchenbezirk Überlingen-Stockach. Sie haben zwölf Gründe formuliert, warum es sich lohnt, in der Kirche zu sein.Früher war es selbstverständlich, in der Kirche zu sein. Menschen wurden nicht nach ihren Gründen gefragt, warum sie Mitglied einer evangelischen Landeskirche sind. Das ist heute anders, hat die evangelische Pfarrerin Regine Klusmann beobachtet. Als Dekanin des Kirchenbezirks Überlingen-Stockach (Bodenseekreis) stellt sie immer wieder fest, dass bei vielen Christ:innen Sprachlosigkeit herrscht, wenn sie vorwurfsvoll angegangen werden.

Ihnen fehlten Antworten auf Fragen wie diese: Warum sie noch immer Teil einer Gemeinde sind, warum sie gerne den Gottesdienst besuchen und deshalb auch widerspruchslos ihre Kirchensteuer bezahlen. Dieser Wehrlosigkeit will der Kirchenbezirk mit zwölf guten Gründen für einen Verbleib in der Kirche abhelfen. Ich bin in der Kirche, ...

1. ...weil Gott mein Hoffnungsanker ist. Ich hoffe auf Gott, der mit dieser Welt noch nicht fertig ist. Mit dieser Hoffnung lasse ich mich nicht von Angst lähmen. Gott verspricht Liebe, Frieden, Gerechtigkeit und ewiges Leben für uns alle.

2. ...weil ich hier ablegen kann. In den Wogen des Alltags kann ich mein Lebensboot ruhig schaukeln lassen. ich komme zur Ruhe, kann Gottes Gegenwart spüren und mit Gott reden.

3. ...weil ich hier festmachen kann. An wichtigen Stationen in meinem Leben, bei der Taufe, Konfirmation oder Heirat bekomme ich Gottes Segen zugesprochen. Die Sonn- und Feiertage geben mir Rhythmus und Tiefe: Weihnachten, Oster, Erntedank.

4. ... weil ich hier Koordinaten für mein Leben finde. Was Jesus gelebt und gesagt hat, bringt mich auf den Kurs von Friedfertigkeit, Mut zur Wahrheit, Liebe, Bewahrung der Schöpfung und Ehrfurcht vor dem Leben.

5. ...weil ich kommen kann, wie ich bin. Ich werde nicht be- oder verurteilt. ich bin angenommen als wertvoller Mensch mit meinen Gaben, Eigenheiten, Stärken und Schwächen.

6. ...weil niemand allein gelassen wird. In der Kirche setze ich mich mit anderen für die Schwachen und Benachteiligten ein - in meiner Nachbarschaft und der ganzen Welt.

7. ...weil ich hier einen Hafen habe. Gemeinschaft und Zuhause kann ich in der Kirchengemeinschaft finden. Menschen jeden Alters sind zusammen, sehen und hören einander, feiern und reden über Gott und die Welt.

8. ...weil Vergebung mein Rettungsring ist. Jesus zeigt, dass ich zu meinen Fehlern und Zweifeln stehen kann und anderen vergeben kann. Die Feier des Abendmahls und die Beichte befreien mich. Ich kann immer wieder neu anfangen.

9. ... weil ich hier eintauchen kann. In alter und neuer Musik, Gesang und in der Kunst kann ich mich tragen lassen. Da ist ein Schatz des Glaubens und der Hoffnung vieler Generationen geborgen.

10. ...weil ich Rückenwind bekomme. Gottes Liebe umgibt mich, trägt mich und erfüllt mich. In der Kirche wird mir das zugesprochen. Daraus wird Kraft, Mut und Hoffnung für meinen Alltag und für mein Leben.

11. ...weil ich einen Kompass brauche. In evangelischen Kitas, im Reli-Unterricht, in Erwachsenen-Bildung, in Kreisen und in Predigten lerne ich die Bibel kritisch zu lesen und kann sie als Quelle des Glaubens entdecken.

12. ...weil ich in Stürmen des Lebens einen Halt finde. Wenn ich nicht mehr weiter weiß, haben Seelsorger:innen Zeit für mich. Was ich dort erzähle, bleibt dort. In der Trauer oder beim Verlust eines liebten Menschen sind andere für mich da.

Die Zahl Zwölf sei nicht zufällig gewählt, erläutert Dekanin Klusmann. Sie lehnt sich an die Zahl der Apostel oder der zwölf Stämme Israels in der Bibel an. An diesen wenigen Sätzen, die auch in Form eines Flyers verfügbar sind, arbeiteten mehrere Kirchengemeinden mit. Die Dekanin hat den rund einjährigen Prozess begleitet und moderiert. Ihr persönlich wichtigster Punkt ist übrigens der letzte: "Ich bin in der Kirche, weil ich in Stürmen des Lebens einen Halt finde."

Pfarrer Michael Schauber aus Owingen (Kreis Konstanz) war ebenfalls am Prozess beteiligt, und er hat ihn als gute und bereichernde Erfahrung erlebt. "Es ist keine Kampfschrift gegen Menschen, die sich bewusst und aus persönlichen Gründen von der Kirche abwenden", betont er. Die Verwendung des ein oder anderen nautischen Sprachbilds in den zwölf Leitsätzen zeige auch die Nähe zum Bodensee, so Schauber. Der Text, sagt er, "spiegelt Erfahrungen wider, die man auf dem Bodensee machen kann, zum Beispiel die stürmische See". Da sei es gut, wieder den sicheren Boden zu erreichen und festzumachen.
Verfasst am: 07.02.24, 08:49
Titel: Evangelische Kirche: Umfassende Gewaltschutzrichtlinie gilt für alle Bereiche
Autor: MB
Quelle: www.orf.at vom 2.2.2024

Ombudsstelle für Gewaltschutz – Unabhängige Struktur für Aufarbeitung

Wien (epdÖ) In einer Studie hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sexualisierte Gewalt in Kirche und Diakonie untersuchen lassen. In Österreich stellen sich Evangelische Kirche und Diakonie seit 2011 ihrer Verantwortung und nehmen dabei sowohl Aufarbeitung als auch Prävention aller Formen der Gewalt – physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt – in den Blick. „Wir schauen mit Entsetzen und Scham auf das historische Versagen, gegen Täter rechtzeitig einzuschreiten“, betonen Bischof Michael Chalupka und Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser gegenüber dem Evangelischen Pressedienst.
Eigener Weg in Österreich

Man habe in Österreich einen eigenen und anderen Weg als in Deutschland beschritten: „Wir waren von Anfang an überzeugt, dass einzig eine völlig unabhängige und fachlich kompetente Stelle die Aufarbeitung und Entscheidung über Entschädigung für Betroffene von Gewalt und Missbrauch leisten kann“, so der Bischof.

Deshalb wurde im Jahr 2011 entschieden, dass alle Fälle zur Anzeige gebracht werden sollen und weiter zurückliegende Fälle von der unabhängigen Opferschutzorganisation Weißer Ring bearbeitet werden. Dort entscheidet eine Kommission, der Expert:innen aus den Bereichen Opferschutz und Traumapsychologie angehören. „Es war uns besonders wichtig, dass alle Vorfälle von einer unabhängigen Einrichtung bewertet werden. Denn eine strukturelle Bedingung für Gewalt sind geschlossene Systeme. Kirche und ihre Einrichtungen dürfen keine Blackbox sein, wir brauchen den Blick von außen, ein transparentes Verfahren und die Möglichkeit für Betroffene, sich anonym bei einer von der Kirche unabhängigen Stelle zu melden“, erklärt Chalupka.

Evangelische Kirche und Diakonie haben sich verpflichtet, die Entscheidungen des Weißen Rings in jedem Fall anzuerkennen und umzusetzen. Diese Entscheidungen umfassen Entschädigungsleistungen, Therapien und weitere Empfehlungen. Die Entscheidungen des Weißen Rings dienen auch als Grundlage für die Zuerkennung der staatlichen Opferrente durch die Anerkennung bei der Volksanwaltschaft. Falls das Opfer ein Gespräch wünscht, ist diesem Wunsch in einem professionellen Setting nachzukommen. Auch dabei können Mitarbeiter:innen des Weißen Rings unterstützen.
Maßnahmen für Prävention und Gewaltschutz gesetzt

„Damit sich das Versagen der Vergangenheit nicht wiederholt, haben Kirche und Diakonie – auch den weiteren Empfehlungen des Weißen Rings folgend – umfassenden Gewaltschutz etabliert“, erklärt Diakonie-Direktorin Moser. Die Gewaltschutzkonzepte in diakonischen Einrichtungen nehmen die besondere Situation und Vulnerabilität verschiedener Zielgruppen in den Blick. Insbesondere zum Schutz von Kindern und Jugendlichen ist eine strenge österreichweite Kinderschutzrichtlinie eingesetzt. In den evangelischen Kirchen gilt eine umfassende Gewaltschutzrichtlinie.

Erstes Ziel aller Schutzkonzepte ist es, die Anwendung von Gewalt jeglicher Art zu verhindern. „Zur Prävention gehören Schulungen und beständige Reflexion“, so Moser. „Im Zentrum stehen Aufmerksamkeit und Respekt sowie grenzachtende Kommunikation im täglichen Umgang miteinander.“ Bei Verdachtsfällen von Gewalt und Misshandlung gibt es klar definierte Verfahrensregeln und Konsequenzen.
Gewaltschutzrichtlinie der Evangelischen Kirche

Die Gewaltschutzrichtlinie gilt für alle Bereiche der evangelischen Kirchen, ihr sind alle haupt- oder ehrenamtlich im Namen und Auftrag der Evangelischen Kirchen A.B., H.B. und A.u.H.B. tätigen Personen verpflichtet. Im Zentrum steht dabei eine „Kultur der Achtsamkeit, die sich aus dem christlichen Glauben begründet“. Das bedeute, „bei Gewalt und Grenzverletzungen hinzuschauen, sie zu benennen und Verantwortung zu übernehmen, das Bewusstsein für alle Formen der Gewalt und Grenzverletzung zu schärfen, Gewalt und Grenzverletzungen entgegenzutreten, Sensibilität in Bezug auf Nähe und Distanz zu leben, ein offenes Klima im Umgang mit Fehlern zu schaffen und Betroffenen von Gewalt Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen“. Aufgetretene Gewaltanwendung soll aufgezeigt und einer satzungsgemäßen Behandlung zugeführt werden.

„Gewalt“ wird in der Gewaltschutzrichtlinie breit und umfassend definiert. Sie reicht u.a. von „körperlicher Gewalt“, „emotionaler/psychischer Gewalt“, „sexualisierter Gewalt“, „struktureller Gewalt“ bis hin zu institutioneller oder ökonomischer Gewalt oder „Gewalt im digitalen Raum“.

Für alle Arten von Beschwerden und Anfragen im Zusammenhang mit (Verdachts-)Fällen von Gewalt steht die aufgrund dieser Rahmenrichtlinie neu geschaffene unabhängige Ombudsstelle als Anlaufstelle zur Verfügung. Die Ombudsstelle, die mit einer Expertin für Gewaltschutz besetzt ist, arbeitet weisungsfrei und mit einem hohen Maß an Vertraulichkeit.

Kontakt Ombudsstelle Gewaltschutz:
Mag. Astrid Winkler
Mobil: +43 699 188 78 098
ombudsstelle@evang.at
Verfasst am: 02.02.24, 13:35