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Titel: Bischof Bünker: „Karfreitag ist Tag der Besinnung auf das Leiden in der Welt“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 18.4.2019

Persönlicher Feiertag „privatisiert öffentliche Religionsausübung“

Wien (epdÖ) – Als „Tag der Besinnung auf das Leiden in der Welt“ versteht der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker den bevorstehenden Karfreitag. Für Evangelische gilt er als zentraler Feiertag, „weil er den Blick schärfen kann für Menschen, die ohnmächtig sind, die unter Gewalt oder Krieg leiden.“ Der ganzen Gesellschaft, so Bünker gegenüber dem Evangelischen Pressedienst, würde ein solcher Tag guttun. Für Christinnen und Christinnen sei der Blick auf den Karfreitag wichtig, „weil er den Weg Gottes bis ans Kreuz zeigt“ und ihn als einen ausweise, der sich mit den Leidenden identifiziere und solidarisiere. Der Abschaffung des Karfreitags als Feiertag für Evangelische und Altkatholiken kann der Bischof daher nicht zustimmen. Kritik äußert er insbesondere daran, dass Angehörige der betroffenen Kirchen nun einen Urlaubstag heranziehen müssten, um den Karfreitagsgottesdienst am Vormittag zu besuchen.

„Braucht Debatte über Feiertage in Österreich“

Durch die Streichung des Feiertags und die Einführung eines „persönlichen Feiertags“ für alle, der als Urlaubstag zu nehmen ist, werde „die öffentliche Religionsausübung radikal individualisiert und privatisiert“, gibt Bünker zu bedenken. Es brauche unter den Bedingungen einer zunehmend religiös pluralen und säkularen Gesellschaft eine weitreichende Debatte darüber, wie mit Feiertagen in Österreich insgesamt umzugehen sei. Ein zusätzlicher, flexibel einsetzbarer Feiertag etwa würde diese Pluralität und die Bedürfnisse religiöser Minderheiten berücksichtigen.

Die Äußerung des Bundeskanzlers, wonach sich für 96 Prozent der Bevölkerung durch die neue Regelung nichts ändere, habe bei Evangelischen für Empörung gesorgt. „Nicht alles, was man einer Minderheit zuerkannt hat, ist eine Diskriminierung, sondern eine Anerkennung der besonderen Situation dieser Gruppe“, sagt Bünker. Dass die Evangelischen in Österreich eine Minderheit sind, sei Folge der Geschichte der Gegenformation mit einer weitgehenden Rekatholisierung des Landes, erinnert der Bischof.
Verfasst am: 18.04.19, 10:48
Titel: Bischof Bünker will „Neustart für Mindestsicherung“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 17.4.2019

„Jeder Mensch ist wertvoll und gleich viel wert“

Wien (epdÖ) – Einen „lebendigen Neustart für eine Mindestsicherung, die Existenz und Chancen sichert, nicht Menschen den Boden unter den Füßen wegzieht“, fordert der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker. Angesichts des geplanten Beschlusses zum Sozialhilfe-Grundsatzgesetz im Nationalrat am 25. April sagte Bünker gegenüber dem Evangelischen Pressedienst, die neuen Sozialhilferegelungen „schaden Menschen in schwierigen Situationen und machen ihr Leben noch schwieriger.“ „Jeder Mensch ist wertvoll und gleich viel wert, nur das schafft Sicherheit“, unterstreicht dagegen Bünker. Gesellschaftlicher Zusammenhalt bedeute auch, „alle als Menschen mit gleicher Würde und sozialen Rechten“ anzusehen. Gerade Ostern erinnere daran, „chronisch Kranke, Familie und Kinder aus dem Dunkeln zu holen“. Bünker: „Dem, der am Boden liegt , aufzuhelfen, das ist Auferstehung heute und jetzt.“ Denn: „Es macht uns alle stark, wenn wir anderen aufhelfen.“ Niemand in sozialer Not dürfe „zum Bittsteller gemacht“ werden, daher brauche es „eine Mindestsicherung, die Existenz, Chancen und Teilhabe sichert“.

„Ein Drittel der Betroffenen sind Kinder“

Besonders kritisiert der Bischof, dass von der Neuregelung der Mindestsicherung eine große Zahl von Kindern, Kranken und auch Eltern mit prekärer Arbeit negativ betroffen sind. Die Zahlen zeigten, dass ein Drittel der Bezieher der Mindestsicherung Kinder seien, ein weiteres Drittel Pensionisten, Menschen mit Behinderung, chronisch Kranke oder sogenannte „Aufstocker“ in unsicheren und schlecht bezahlten Jobs. Die soziale Ausgrenzung in Folge von Armut habe bei Kindern besonders starke Folgen: Sie könnten zehnmal seltener Freunde einladen als andere Kinder und zwanzigmal seltener an kostenpflichtigen Schulaktivitäten teilnehmen, sagt Bünker und verweist dazu auf eine Studie der Statistik Austria aus dem Jahr 2018. Mindestsicherungsbezieher mit Kindern leben, so der Bischof, noch häufiger in schlechten Wohnsituationen, desolates Wohnen wirke sich „besonders hemmend auf Bildungschancen und Gesundheit“ der Kinder aus. Unsicherheiten blieben zudem durch die zahlreichen „Kann-Bestimmungen“ der geplanten Regelung: „Die neue Sozialhilfe ist nicht nach unten abgesichert, sondern im freien Fall offen.“ Das betrifft die Leistungshöhen, das Wohnen oder Hilfen für alleinerziehende Eltern. Bünkers Fazit: „Mit dem vorgelegten Sozialhilfegesetz wird soziale Unsicherheit erhöht und die Schere zwischen Arm und Reich in Österreich vergrößert.“

Mit Sozialverträglichkeitsprüfung „würde es dieses Gesetz nicht geben“

Bünker wiederholt zudem die bereits im ökumenischen Sozialwort von 2003 erhobene Forderung der Kirchen nach einer Sozialverträglichkeitsprüfung für Gesetzesvorhaben. Eine solche Prüfung könne dabei helfen, Folgewirkungen von Gesetzen auf verschiedene gesellschaftliche Gruppen abzuschätzen: „Hätten wir eine solche Sozialverträglichkeitsprüfung jetzt schon, würde es dieses Gesetz nicht geben“, ist Bünker überzeugt.
Verfasst am: 18.04.19, 10:47