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Titel: Synode H.B. beschließt völlige Gleichstellung homosexueller Ehepaare
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 20.3.2019

Landessuperintendent Hennefeld: „Wichtiger Schritt für unsere Reformierte Kirche“ – Karfreitag: „Religion ins Private verdrängt“

Linz (epdÖ) – In der evangelisch-reformierten Kirche (Evangelische Kirche H.B.) wird künftig auch homosexuellen Paaren die Trauung offen stehen. Darauf hat sich die Synode H.B., das reformierte Kirchenparlament, am Samstag, 16. März, in Linz einstimmig geeinigt. Damit ist eine völlige Gleichstellung verheirateter homo- und heterosexueller Paare erreicht, heißt es von der Kirchenleitung.

„Der Beschluss unserer Synode, die Trauung für alle einzuführen, ist kein großer aber ein wichtiger Schritt für unsere Reformierte Kirche“, betont Landessuperintendent Thomas Hennefeld gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Hennefeld weiter: „Damit wurden die letzten Reste an Diskriminierung gegenüber homosexuellen Menschen beseitigt, die in der Vergangenheit viel Leid erfahren haben. Ab nun können in unserer Kirche alle Paare getraut werden und bekommen dafür den Segen. Und das ist gut so.“

Für eingetragene Partnerschaften wird es (wie bisher) die Möglichkeit einer Segnung im Gottesdienst geben. Beim Beschluss in Linz ist die Synode dem Antrag des Theologischen Ausschusses einstimmig gefolgt. Bereits seit 1999 waren in der reformierten Kirche Segnungen homosexueller Paare in öffentlichen Gottesdiensten möglich gewesen. Anlass zur neuerlichen Diskussion um die „Ehe für alle“ war die seit Jänner bestehende Möglichkeit zivilrechtlicher Eheschließungen von Homosexuellen.

Karfreitag: Neue Regelung verdrängt Religion ins Private

Beim Thema Karfreitag hat sich die Synode H.B. der Resolution der Synode A.B. vom 9. März angeschlossen. Zusätzlich wird das Recht auf freie Religionsausübung unterstrichen. Dieses sei „ein Menschenrecht und muss in allen Fällen sichergestellt werden“, so die Synode H.B. Durch die neue Regelung werde Religion aus dem öffentlichen Raum ins Private verdrängt, kritisiert die evangelisch-reformierte Kirche, doch „nur dort, wo Religion sich auch öffentlich entfalten kann, haben Staat, Gesellschaft und Menschen einen Nutzen davon“.

Die Synode der Evangelische Kirche H.B. setzt sich laut Kirchenverfassung aus den GemeindepfarrerInnen, gewählten Presbyterinnen und Presbytern – also ehrenamtlichen Gemeindemitgliedern – und je einem Vertreter oder einer Vertreterin der Theologischen Fakultät, der ReligionslehrerInnen sowie der Diakone und Diakoninnen zusammen. Zur Evangelisch-reformierten Kirche in Österreich gehören rund 13.000 Mitglieder in 9 Pfarrgemeinden.
Verfasst am: 21.03.19, 10:53
Titel: Manfred Sauer - Gebürtiger Burgenländer will Bünker nachfolgen
Autor: MB
Quelle: https://www.tt.com vom 17.3.2019


Der Kärntner Superintendent der evangelischen Diözese Kärnten/Osttirol, Manfred Sauer, hat Ambitionen, Bischof Michael Bünker nachzufolgen. Der gebürtige Burgenländer und vierfache Familienvater ist seit 2002 Superintendent. Der 58-Jährige gilt als durchaus ehrgeizig, aber stets dialogorientiert.

Manfred Sauer kam am 20. November in Bernstein im Burgenland zur Welt. Er besuchte das Gymnasium in Oberschützen, nach der Matura 1979 studierte er bis 1985 evangelische Theologie in Wien und Hamburg. Während des Studiums arbeitete er bei einer burgenländischen Jugendzeitschrift mit, und zwar als Mitgestalter und Autor von Beiträgen. Im Jahr seines Studienabschlusses heiratete er Renate Lentz, die beiden haben vier Kinder.

Nach dem Studium absolvierte er ein Vikariat in Zell am See und in Pörtschach in Kärnten. 1990 wurde er Ordinierter Vikar in Pörtschach, zwei Jahre später Pfarrer ebendort. Er blieb bis 2001 in Pörtschach als Pfarrer, in dieser Zeit war er auch Obmann des evangelischen Bildungswerkes und danach stellvertretender Obmann der evangelischen Akademie Kärnten-Osttirol.

Mit Jahresbeginn 2002 wurde Sauer Superintendent, als dessen Stellvertreter hatte er schon ab 1997 fungiert. Im April 2013 wurde er für weitere zwölf Jahre wiedergewählt. Er erhielt 2013 den Landesorden in Silber des Landes Kärnten, ein Jahr später den Ehrenring der Stadt Villach, wo die Superintendentur beheimatet ist.

Ihm liegt nach eigener Aussage besonders eine „seelsorgerliche und menschenfreundliche Kirche, in der die Botschaft des Evangeliums erlebbar wird“ am Herzen. Er plädiert für eine offene Kirche, in der auch Fernstehende das Gefühl hätten, willkommen zu sein. Als Superintendent gehe es ihm darum, andere Menschen zum Mitmachen zu motivieren, denn „es braucht ganz unterschiedliche Fähigkeiten, um ein Schiff wie unsere Kirche vorwärts zu bringen“.

Ein Highlight seiner Amtszeit war sicher die Landesausstellung in Fresach (Bezirk Villach-Land) im Jahr 2011, deren Thema das Leben der Evangelischen in Kärnten mit seiner Bedeutung für die Entwicklung des Landes und seine Wirkung bis in die Gegenwart war und unter dem Motto „glaubwürdig bleiben“ stand. Insgesamt 70.000 Menschen besuchten die Ausstellung, für die Diakonie de La Tour als Projektträgerin fungierte.

Zuletzt sorgte der Superintendent für Schlagzeilen, als er gemeinsam mit dem katholischen Diözesanadministrator und dem altkatholischen Bischof Heinz Lederleitner am Aschermittwoch an einem Schweigemarsch in Klagenfurt teilnahm, um gegen die Streichung des Karfreitag als Feiertag für Evangelische und Altkatholiken zu protestieren. Die drei Geistlichen wollten eine Erklärung dazu an Bundeskanzler Sebastian Kurz überreichen, der beim politischen Aschermittwoch der ÖVP in Klagenfurt zu Gast war. Kurz hatte aber keine Zeit, die drei kamen nur bis zu Kärntens ÖVP-Obmann Martin Gruber.

Sauer engagierte sich in seiner bisherigen Amtszeit sehr für die Ökumene, angeeckt ist er kaum je. Nur einmal sorgte er für Wirbel, als er kurz nach dem Unfalltod Jörg Haiders diesen in einem Hirtenbrief sehr ausführlich gelobt hatte. Diese Aktion löste heftige Debatten aus, die ehemalige Superintendentin Gertraud Knoll trat aus Protest sogar aus der Kirche aus.
Verfasst am: 18.03.19, 09:39