Predigtreihe 2008

Predigtreihe 2008 zum Thema "Gottesbilder 

hirte

6. 4., Franz Errath, Kurator unserer Gemeinde: Menschenbild und Gottesbild

13.4, Ingrid Frey, Mitglied unserer Gemeinde: Gott ist Liebe

20.4, Wolfgang Peterl, Altkatholik, Bürgermeister von Korneuburg: Gott ist Hirte

27.4., Heinrich XIV Reuss, Schloss Ernstbrunn, Gemeindevertreter: Gott mein Erlöser

4.5., Claudia Mitscha-Eibl, kath. Theologin, Liedermacherin: Abschied vom himmlischen Vater

„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn“, so lesen wir im 1. Buch Mose. Hat also Gott ein menschliches Antlitz? - fragt Kurator Franz Errath in seiner Predigt. Und - finden wir Gottes Bild im Menschen?
Franz Errath macht in seine Predigt deutlich, dass  ja selbst unser Bild vom Menschen schon sehr unscharf ist, dass sich unsere jeweiligen Menschenbilder sehr voneinander unterscheiden – je nach Zeitalter, Kultur und Philosophie. Welches Menschenbild haben wir also? Wie sehen wir den Menschen / die Menschen – die anderen und uns selber? Das Menschenbild und nicht zuletzt das Bild und das Bewusstsein von uns selbst stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Gottesbild.
Noch eine Ebene tiefer führte uns die Predigt – in die Mystik: Auf dem Grunde deiner Seele, überlagert von vielen Bildern, findest du das Bild Gottes – es ist dein Ebenbild.

Es gibt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Menschenbild und Gottesbild – vom ersten Prediger zum Thema gemacht, zog sich diese Erkenntnis wie ein roter Faden durch die Predigtreihe. Ein weiterer Gedanke in diesem Zusammenhang: Unsere Bilder von Gott – sie verpflichten uns auch. Sie sind auch Auftrag an uns.

Bürgermeister Wolfgang Peterl, der als Altkatholik seinen Religionsunterricht in unseren Pfarrgemeinderäumlichkeiten absolviert hat, sprach über das Bild Gottes als des Hirten. Leitung, Fürsorge, Verantwortung ist mit diesem Bild verbunden.
Wolfgang Peterl führte folgendes aus: Wenn Gott guter Hirte ist, ist das auch ein Auftrag an uns in all unseren Hirtenämtern – angefangen von der Kindergärtnerin bis hin zu Führungskräften in der Wirtschaft und Politikern.
Wenn Gott guter Hirte ist, dann relativiert sich aber auch unser Hirte-Sein. Zum Einen, weil wir nie so selbstlos sind, wie der gute Hirte, weil wir auch oft überfordert sind; und zum Anderen weil wir immer auch Herde sind. Gott als Hirte führt uns zusammen und führt uns zu einer gemeinsamen Verantwortung füreinander und für die Welt. 

„Gott ist Liebe“ – das war das Thema der Predigt von Ingrid Frey. Gott ist bedingungslose, allumfassende Liebe. Für uns Christen ist diese Liebe Mensch geworden: Gottesbild im Menschenbild – die Liebe, die Gott ist, uns nahe gekommen als Urbild und Vorbild in Jesus.
Gott ist Liebe – auch das ist ein Bild, eine Erkenntnis, eine Erfahrung die gleichzeitig ein Auftrag ist: Wenn Gott Liebe ist, dann müssen auch wir lieben, ja dann können wir es auch!
Aus ihren Erfahrungen im Senegal erzählte Ingrid Frey Beispiele gelebter Nächstenliebe, wie man sie heute hier kaum erwarten kann. Erwarten könne man aber, sagte sie, dass wir den Menschen mit Liebe begegnen, dass wir sie ohne Ansehen von Hautfarbe, Religion, Gesundheitszustand oder Nationalität akzeptieren und sie in ihrer Einzigartigkeit und Schönheit wahrnehmen.

Heinrich XIV Reuss sprach zum Thema: Gott mein Erlöser. „Was ist das?“, hörte er in der ehemaligen DDR, auf ein Kreuz deutend, fragen - Menschen, die ganz ohne Glaube und Religion aufgewachsen sind, die sich gar kein Bild mehr von Gott machen.
In unserem, doch überwiegend christlichen Land hat der Prediger den Eindruck, dass anstelle die Religion oft mehr eine Philosophie getreten ist, eine Weltanschauung, jedenfalls etwas sehr Vages und Unverbindliches. Mit dem Titel: Gott mein Erlöser – mit Betonung auf „mein“ - brachte Prinz Reuss die Bedeutung und den Wunsch nach mehr Verbindlichkeit und nach einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus zum Ausdruck. Was ist Glaube, wenn er sich nicht im Leben äußert? Was bedeutet Gott, wenn es nicht mein Gott ist?

Wenn wir mit Gott in Beziehung sind, kann und wird sich unser Gottesbild verändern. Man entwächst dem Kinderglauben, man erfährt Gott anders, neu, und manchmal gibt es auch Brüche. Abschied vom himmlischen Vater – so beschreibt die katholische Theologin und Liedermacherin Claudia Mitscha-Eibl in einem ihrer Lieder so einen Bruch.
Das im Christentum wohl vertrauteste Bild von Gott als Vaters deutet auf Ursprung hin, aber auch auf eine Beziehung, für viele eine sehr innige, vertrauensvolle. Mit dem Vaterbild können aber auch sehr negative Aspekte wie Macht, Kontrolle, Unterdrückung, ja sogar Missbrauch assoziiert werden.
Abschied vom himmlischen Vater weist aber auch auf einen Bruch mit der einseitig männlichen Gottesvorstellung hin. Ein in männlichen Begriffen gefasster Gott bleibt für mich als Frau immer äußerlich, macht es mir unmöglich, Gott in meinem Innersten wahrzunehmen, sagt sie.
Schließlich beschreibt die Predigerin das Zerbrechen des kindlichen Vertrauens in Gottes Wirken und Macht. „Väterlich / mütterlich führst du mich …“ – ist das nach Auschwitz noch zu denken, zu glauben? Ein Bruch – aber auch ein Wandel im Gottesbild: Vom allmächtigen Gott zur göttlichen Geistkraft, die Menschen braucht um wirken zu können.

Hier schließt sich der Kreis. Ein Zitat aus der ersten Predigt: Wenn dir der Gedanke kommt, dass du alles, was du über Gott gedacht hast, verkehrt ist, so gerate nicht darüber in Bestürzung.  Es geht allen so. […] Wenn ein Wilder an seinen hölzernen Gott zu glauben aufhört, heißt das nicht, dass es keinen Gott gibt, sondern nur, dass er nicht aus Holz ist (Leo Tolstoi).

(Zusammenfassung von Anneliese Peterson)

 

Zuletzt bearbeitet am: 25.07.10, 15:52
Geschrieben von: anpe
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