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Titel: Evangelische Kirche begrüßt geplante Einführung des Ethikunterrichts
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 6.7.2020

Gleichbehandlung aller Schülerinnen und Schüler bei Bildung von Unterrichtsgruppen erforderlich

Wien (epdÖ) Die Evangelische Kirche A.u.H.B. in Österreich begrüßt die geplante Einführung eines Pflichtgegenstandes Ethik ab der 9. Schulstufe für all jene Schülerinnen und Schüler, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen.
In der von Bischof Michael Chalupka und Oberkirchenrat Karl Schiefermair unterzeichneten Stellungnahme des Oberkirchenrates A.u.H.B. wird daran erinnert, dass sich die Evangelische Kirche bereits seit den 1990er Jahren für die Einführung des Ethikunterrichts, wie er nun geplant ist, eingesetzt hat. Neben dem grundsätzlich positiven Votum weist die Evangelische Kirche in der Stellungnahme jedoch auch auf Problemfelder hin.
Zum einen sei die Stellung des Religionsunterrichts an den Berufsschulen ungeklärt. So ist Religion an Berufsschulen in Tirol und Vorarlberg Pflichtgegenstand, sonst Freigegenstand. Das wiederum lasse eine bundesweite und einheitliche Bestimmung über die Einführung eines Pflichtgegenstandes Ethik nicht zu. Hier regt die Evangelische Kirche an, die Bestimmungen dahingehend zu ändern, dass Religion Pflichtgegenstand an allen berufsbildenden Pflichtschulen wird. „Somit könnte für Berufssschüler und Berufsschülerinnen auch ein Ethikunterricht verpflichtend eingeführt werden, den wir für diese Schülerpopulation als dringlich erachten, sofern sie keinen Religionsunterricht besuchen“, heißt es in der Stellungnahme. Daher unterstütze die Evangelische Kirche die von der GÖD-Gewerkschaft Berufsschule eingebrachte dementsprechende Stellungnahme.
Zum anderen verweist die Evangelische Kirche auf die besondere Rolle als Minderheitenkirche. Hier lege man „besonderen Wert“ auf die Feststellung, dass Schüler und Schülerinnen, die zu einem Religionsunterricht angemeldet sind, bei der Bildung von Religionsunterrichtsgruppen wie Schüler und Schülerinnen zu zählen sind, die den Religionsunterricht als Pflichtgegenstand besuchen. Hier gehe es um „Gleichbehandlung aller Schüler und Schülerinnen“. Es könne daher nicht sein, dass einzelne Schüler und Schülerinnen in dem einen Gegenstand Ethikunterricht zur Gruppenbildung zählen, in einem anderen (Freigegenstand Religion, der wie ein „Pflichtgegenstand zu werten“ ist) nicht. Die andersgestaltete Praxis in einzelnen Bildungsdirektionen sei daher abzustellen.
Ferner fordert die Evangelische Kirche in der Stellungnahme die Aufnahme der Theologie als Bezugswissenschaft zum Ethikunterricht, eine Forderung, die bereits auch die Dekane der theologischen Fakultäten gemeinsam erhoben haben.
Zudem merkt die Evangelische Kirche an, dass sie mittelfristig auch die Ausweitung des Ethikunterricht auf die Sekundarstufe I und die Primarstufe begrüßt. Gleichzeitig wolle sie, so die Evangelische Kirche in der Stellungnahme, zu einem „konstruktiven Miteinander des Ethikunterrichts und des Religionsunterrichts“ an den Schulstandorten beitragen.
Die Stellungnahme der Evangelischen Kirche wurde im Rahmen der Begutachtungsfrist für den ab Schuljahr 2021/2022 geplanten Ethikunterricht abgegeben. Die Frist endete am vergangenen Freitag.
Verfasst am: 07.07.20, 09:29
Titel: Diakonie und Kirche: Unabhängige Rechtsberatung im Asylverfahren absichern
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 3.7.2020

Bitte um Spenden, um Weiterführung zu ermöglichen – Unabhängige Beratung für KlientInnen, die sonst ohne Beratung bleiben würden

Wien (epdÖ) – In einer gemeinsamen Stellungnahme zu den Vorbereitungen für die Asyl-Rechtsberatung in der Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen (BBU), die im Jänner starten soll, haben Evangelische Kirche und Diakonie angekündigt, weiterhin unabhängige Rechtsberatung anbieten zu wollen. „Leider konnte die fragwürdige Verstaatlichung der Rechtsberatung nicht verhindert werden“, so Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser in der Aussendung vom Freitag, 3. Juli. „Auch wenn durch Gespräche mit dem Justizministerium in einigen wichtigen Punkten Verbesserungen für die KlientInnen im Vergleich zum Ursprungs-Konzept erreicht wurden, ist eine unabhängige und klientenzentrierte Beratung weiterhin unabdingbar.“
Die Evangelische Kirche werde die Weiterführung der unabhängigen Asylrechtsberatung durch die Diakonie finanziell unterstützten, heißt es weiter. Dafür beträchtliche Mittel in die Hand zu nehmen, sei der Kirche wichtig, „weil nahezu alle evangelischen Pfarrgemeinden in Österreich Geflüchtete unterstützen, manche Geflüchtete sind auch Gemeindemitglieder geworden“, betont der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Michael Chalupka. „Für ihr Engagement brauchen die Pfarrgemeinden den Rückgriff auf die Rechtsberatung durch die Diakonie. Gleichwohl wissen wir, dass die Kräfte und Finanzen einer kleinen Minderheitenkirche nicht ausreichen. Deshalb appellieren wir an Menschen, denen die Menschenrechte ein Anliegen sind, und bitten um Spenden.“
Im Fokus der unabhängigen Rechtsberatung stünden zum einen menschenrechtlich besonders relevante Präzedenzfälle, zum anderen sollen Klientinnen und Klienten beraten werden, die sonst keinen Zugang zu Beratung haben.
Es sei davon auszugehen, dass die BBU als staatliche Agentur einen sehr eng gesteckten Auftrag haben wird, erklärt Christoph Riedl, Asyl-Experte der Diakonie Österreich: „Sie wird nur jene Rechtsberatungsleistungen erbringen, die gesetzlich vorgeschrieben sind. Alle darüber hinausgehenden rechtlichen Beratungen und Interventionen wie z.B. Rechtsberatung in der Schubhaft oder Verfahrenshilfe für den Gang zu einem Höchstgericht werden nicht übernommen. Für einige Fragestellungen im Asylrecht, die für viele Klienten überlebenswichtig sind, werden weder die Bedingungen, noch der gesetzliche Auftrag, unter denen die Asylrechtsberatung in der BBU vorgesehen ist, ausreichen“, so Riedl. Die Diakonie habe einen menschenrechtlichen Auftrag und sehe es als ihre Pflicht, stets die Einhaltung der Grund- und Menschenrechte zu fordern. “Diesen Auftrag hat die BBU nicht“, unterstreicht Diakonie-Direktorin Moser.

Weitere Spenden dringend gebraucht Für den Aufbau eines österreichweiten Netzwerks von unabhängigen Beratungsstellen bittet die Diakonie um Spenden: Spendenkonto: Diakonie Flüchtlingsdienst gem. GmbH | Erste Bank IBAN: AT97 2011 1287 2204 5678 BIC: GIBAATWWXXX Spendenzweck: Unabhängige Rechtsberatung Hilfsfonds Alles dazu online hier: fluechtlingsdienst.diakonie.at
Verfasst am: 07.07.20, 09:27