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Titel: Trauer um Erich Leitenberger
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 20.1.2021

Langjähriger Kathpress-Chefredakteur, ÖRKÖ-Vorstand und -Pressesprecher verstarb in Wien

Wien (epdÖ) – Die Kirchen in Österreich trauern um Erich Leitenberger. Der römisch-katholische Publizist, Journalist und langjährige frühere Kathpress-Chefredakteur sowie Pressesprecher der Erzdiözese Wien, der zuletzt als Pressesprecher für den ÖRKÖ tätig war, ist verstorben. Leitenberger stand im 77. Lebensjahr und wurde am Montag tot in seiner Wiener Wohnung aufgefunden. Wiewohl er schon seit Längerem mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, sei sein Tod überraschend gekommen, berichtet Kathpress.

Kardinal Christoph Schönborn hat sich tief betroffen über den Tod Leitenbergers gezeigt. Dieser sei viele Jahre die „Stimme der katholischen Kirche in Österreich“ gewesen – als Pressesprecher dreier Wiener Erzbischöfe (König, Groer, Schönborn) und Chefredakteur von Kathpress. „In Journalistenkreisen genoss er aufgrund seiner unaufgeregten Klarheit, der Zuverlässigkeit seiner Information und seinem überragend umfassenden Wissen hohes Ansehen“, erinnerte Schönborn. Bis zuletzt habe Leitenberger durch sein ökumenisches Engagement unschätzbare Dienste geleistet.

Der ÖRKÖ-Vorsitzende Domdekan Rudolf Prokschi und der gesamte Vorstand zeigten sich am Dienstag über den Tod Leitenbergers zutiefst betroffen. Der Verstorbene hinterlasse eine Lücke, die nur sehr schwer wieder zu schließen sein werde, wie Prokschi im Namen des Vorstands sagte. Nachsatz: „Leitenbergers Tod ist ein unglaublich großer Verlust.“

„Der plötzliche Tod von Erich Leitenberger hat mich sehr betroffen gemacht“, sagte der reformierte Landessuperintendent und frühere ÖRKÖ-Vorsitzende Thomas Hennefeld gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Er habe mit Leitenberger seit seinem Antritt als Vorsitzender des ÖRKÖ im Jänner 2017 und danach als stellvertretender Vorsitzender „vertrauensvoll zusammengearbeitet“. Mit seinem umfangreichen Wissen über die Kirchen und die Ökumene, sowie mit seiner jahrzehntelangen Medienerfahrung habe er für den ÖRKÖ eine wichtige Arbeit geleistet. „Ich habe seine ausgleichende Art sehr geschätzt. Er hat die Anliegen des ÖRKÖ auch in gesellschaftspolitischen Fragen überzeugend vertreten. Ich habe ihn immer erlebt als einen Menschen, der auch meiner reformierten Kirche mit Interesse und Sympathie begegnet ist. Ich werde mich dankbar seiner erinnern.“

Betroffen über das Ableben von Prof. Leitenberger und zugleich dankbar für sein Wirken zeigte sich auch der römisch-katholische Bischof Manfred Scheuer: „Erich Leitenberger war als kirchlicher Mensch eine Brücke in die Welt der Medien, in die Ökumene, aber auch zur Politik und Gesellschaft“, so der Ökumene-Bischof. Tief betroffen vom Heimgang ihres früheren Chefredakteurs zeigte sich auch die gesamte Kathpress-Redaktion. „Fast 30 Jahre stand Erich Leitenberger als Chefredakteur an der Spitze der Kathpress und hat mit journalistischer Expertise und innerer Verbundenheit die Höhen und Tiefen der Kirche in dieser Zeit verlässlich und profund begleitet“, so Kathpress-Chefredakteur Paul Wuthe über seinen Vorgänger.
Ein Leben für die Kirchen

Erich Leitenberger wurde am 7. August 1944 in Wien geboren und war vor Eintritt in den kirchlichen Dienst von 1967 bis 1974 Redakteur bei der Tageszeitung „Die Presse“. 1974 bestellte ihn Kardinal Franz König zum Pressereferenten bzw. Pressesprecher der Erzdiözese Wien. Diese Aufgabe hatte Leitenberger – mit Unterbrechung von 1996 bis 1999 – bis zum Mai 2011 inne. Von 1981 bis 2009 war er zudem Chefredakteur der Katholischen Presseagentur „Kathpress“. Die Republik würdigte seine Verdienste u.a. mit der Verleihung des Titels „Professor“ sowie mit dem „Großen Ehrenzeichen“. Kirchlich wurde er mit dem päpstlichen Gregoriusorden ausgezeichnet.

Nach Beendigung seiner hauptamtlichen Tätigkeiten übernahm der ausgewiesene Experte für die vielfältige kirchliche Situation im Nahen und Mittleren Osten im Jahr 2011 ehrenamtlich die Pressearbeit bei der Stiftung „Pro Oriente“. Darüber hinaus fungierte Leitenberger über viele Jahre und bis zuletzt auch als Pressesprecher des „Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich“ (ÖRKÖ), dessen Vorstand er angehörte. Neben vielen weiteren Tätigkeiten war er u.a. auch Vizepräsident der Kardinal-König-Stiftung.
Verfasst am: 21.01.21, 08:26
Titel: Hennefeld: Bibel nicht nur durch christliche Brille zu lesen
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 18.1.2021

ne-Gottesdienst des Ökumenischen Rates zum Tag des Judentums

Wien (epdÖ) – Kritik an einer langen Tradition christlicher Überheblichkeit gegenüber dem Judentum hat der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld geübt. In seiner Predigt im Online-Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) zum Tag des Judentums am Sonntag, 17. Jänner, sagte Hennefeld: „Juden wurden belehrt von den ersten Kirchenvätern über die Reformatoren bis zu Pfarrern in der Gegenwart. ‚Das Alte ist hinfällig geworden. Es ist alles neu. Weg mit dem Gesetz, hoch lebe das Evangelium von Jesus Christus.‘“ Ganz so drastisch sei das heute nicht mehr. „Es wird nicht so plakativ gesagt, aber irgendwie verschämt kommt der Hinweis auf Jesus mit seinem neuen Bund schon“, sagte Hennefeld mit Verweis auf das Buch Jeremia, in dem der Herr einen neuen Bund „mit dem Haus Israel und dem Haus Juda“ ankündigt.

Hennefeld hingegen plädiert für eine Annäherung an die Rede vom Bund zwischen Gott und den Menschen mit einem Verständnis, „das sich nicht aus dem Gegensatz und dem Kontrast zwischen Altem Testament und Neuem Testament, Altem und Neuem speist“. Und er plädiert dafür, bei der Lektüre biblischer Texte einmal die christliche Brille abzulegen. „Der jüdische Weg ist ein Weg zu Gott. Und wir Christen sollen zur Kenntnis nehmen, dass Juden für ihre Religion Jesus nicht brauchen, auch wenn das manchen schmerzt.“ Es gebe einen jüdischen und einen christlichen Weg, und noch viele weitere, die sich weiter verzweigten. „Ich kann Christus als Sohn Gottes annehmen und trotzdem dem Judentum einen eigenen Weg zusprechen. Das ist kein Widerspruch.“ Denn Gott habe „dem Menschen etwas ins Herz gelegt, das ihn dazu bringt, je eigene Wege zu Gott zu finden“.

Auch wenn es einen neuen Bund gebe, bleibe das Alte bestehen. In der reformierten Tradition laute das erste Gebot, wie es im Buch Exodus stehe: „Ich bin der HERR, dein Gott, der dich herausgeführt hat aus dem Land Ägypten, aus einem Sklavenhaus. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ Die Formulierung erinnere an das Schma Jisrael: „Du sollst Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele lieben.“ Wenn das geschehe, gebe es auch „keine Belehrung mehr von oben herab, von den Besserwissern, von religiösen Fanatikern, die nur ihre Wahrheit gelten lassen. Das ist auch ein neuer Zugang zum christlich-jüdischen Dialog. Nicht belehren und missionieren, sondern voneinander lernen und miteinander auf dem Weg sein in Gemeinschaft.“

Der Gottesdienst fand nicht öffentlich in der anglikanischen Christ Church in Wien-Landstraße statt und wurde auf der Homepage des Tags des Judentums (www.tagdesjudentums.at) live gestreamt. Neben Hennefeld gestalteten den Gottesdienst der anglikanische Bischofsvikar Patrick Curran, der römisch-katholische Wiener Bischofsvikar Dariusz Schutzki, der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Ćilerdžić, und der armenisch-apostolische Bischof Tiran Petrosyan.
Verfasst am: 21.01.21, 08:25