9. Mai
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9. Mai - Sonntag Rogate

 

Rogate heißt – Betet. Wirkt es, das Beten? Bewirkt es etwas? Nein, sagen die einen und lassen es. Ja, sagen andere und schöpfen Kraft daraus und Gelassenheit, finden Geborgenheit darin und Ermutigung.


Wochenspruch: "Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet." Psalm 66,20

PSALM 4 (in Auswahl)

Ein Psalm Davids, vorzusingen, beim Saitenspiel.
Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit,
der du mich tröstest in Angst;
sei mir gnädig und erhöre mein Gebet!
Ihr Herren, wie lange soll meine Ehre geschändet werden?
Wie habt ihr das Eitle so lieb und die Lüge so gern!
Erkennet doch, dass GOTT seine Heiligen wunderbar führt;
GOTT hört, wenn ich ihn anrufe.
Viele sagen: »Wer wird uns Gutes sehen lassen?«
GOTT, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!
Du erfreust mein Herz mehr als zur Zeit,
da es Korn und Wein gibt in Fülle.
Ich liege und schlafe ganz mit Frieden;
denn allein du, GOTT, hilfst mir, dass ich sicher wohne.

(Lutherbibel)

GEDANKEN zum Psalm

Wen spricht er an mit seinen Gedanken, der Beter? Gott. Aber auch die, die ihm gerade zu schaffen machen. Da ist Bitte und Klage, Gekränktsein und Stolz, Angst und Zufriedenheit, Hoffnung und Vertrauen – alles in einem Gebet. Ganz Mensch. Vor Gott.

 

EVANGELIUM nach Lukas, Kap. 11,1-4

Und es begab sich, dass Jesus an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.
Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns unser täglich Brot Tag für Tag und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig wird. Und führe uns nicht in Versuchung.

GEDANKEN zum Evangelium

Keine großen Worte. So schlicht. Noch schlichter hier im Lukasevangelium als wir es im Matthäusevangelium lesen. So sollt ihr beten. Ob er gemeint hat – so, genau so, mit diesen Worten? Oder vielleicht – so schlicht. So einfach. Keine großen Worte. Gott hört.


PREDIGTTEXT aus dem Buch Jesus Sirach 35,16-22a

Gott hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten. Er verachtet das Flehen der Waisen nicht, noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt. Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter, und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, der die Tränen fließen lässt?
Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an, und sein Gebet reicht bis in die Wolken. Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken, doch bis es dort ist, bleibt er ohne Trost, und er lässt nicht nach, bis der Höchste sich seiner annimmt.

GEDANKEN zum Predigttext

Gebet, das ist wie – Tränen, die über die Wangen fließen…
Wie ein Schrei gegen die, die die Ursache dafür sind.
Tränen der Wut vielleicht. Schreie einer Verletzten.
Tränen der Trauer oder der Hilflosigkeit.
Gott hört – sagt dieser Weise, Jesus Sirach – und Gott hilft.

Gebet, das ist wie – durch Wolken dringen…
Den Himmel berühren, aber auf dem Boden bleiben.
Und nicht nachlassen! In Verbundenheit leben.
Und in der Gewissheit – was immer auch geschieht oder auch nicht geschieht – Gott ist mir nahe.

Pfarrerin Anneliese Peterson

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Zuletzt bearbeitet am: 08.05.21, 11:29
Geschrieben von: anpe
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